Pilotprojekt „Fahrzeugtechnik“

Pilotprojekt „Fahrzeugtechnik“

Problemstellung: Die Feuerwehren im Land verfallen immer mehr einem „Wettrüsten“. Reichte vor ein paar Jahrzehnten noch ein TSF zur Brandbekämpfung (dörfliche Gegenden), wurde dies bereits durch ein LF 8 ersetzt.

Nicht selten führte die Folgebeschaffung zu einem (H)LF 10, welches von seiner Größe und der genormten Ausstattung eher dem damaligen LF 16 entspricht. Besitzt die Nachbarwehr ein LF 20, setzt nicht selten ein „Gruppenzwang“ bzw. ein selbstgesetzter Anspruch ein, mindestens gleichwertig ausgestattet zu sein.

Doch: Immer weniger Personal muss immer mehr Technik bedienen (können). Zuviel Technik überlastet die vorhandenen Kräfte der ehrenamtlichen Einheiten.

Pilotprojekt „Fahrzeugtechnik“ hier zum Download.

Präsentation „Fahrzeugtechnik“ hier zum Download.

Mittleres Löschfahrzeug

Die Probleme im Detail:

  • Der gefühlte Bedarf entspricht hierbei oft nicht dem tatsächlichen Bedarf.
  • Es wird immer komplexere und auch quantitativ mehr Technik beschafft, jedoch nicht bedacht, dass diese Technik nicht das fehlende Personal oder eine sinnvolle Taktik kompensiert.
  • Für „mehr Technik“ ist auch „mehr Ausbildung“ notwendig: Umfangreiche Schulungen an der vorhandenen Technik ist für sichere Handhabung zwingend erforderlich.
  • Die Sicherheit im Innenangriff bei einer reinen Brandbekämpfung ist, auf Grund des fehlenden Personals, immer schwieriger darzustellen. Gemäß FwDV 7 muss für den Innenangriff eines Trupps stets ein Sicherheitstrupp bereitgestellt werden, um den vorgehenden Trupp bei einem Notfall Hilfe leisten zu können.
  • Durch neue Baustoffe, beispielsweise in Niedrigenergiehäusern oder der überwiegende Einsatz von Kunststoffen, haben sich auch die Gefahren der Brandbekämpfung verändert. Hierzu zählt insbesondere die rasant gestiegene Gefahr der Explosion von Rauchgasen, die vorgehende Einsatzkräfte trifft. Beispielhaft sei die Kellerbrandbekämpfung genannt, wo die Einsatzkräfte durch den brennbaren Brandrauch dem Feuer entgegen gehen müssen. Hier kann durch moderne Technik (Schneidlöschverfahren) die Sicherheit der eingesetzten Feuerwehrleute erheblich erhöht werden. Durch die Anforderungen des modernen Vorbeugenden Brandschutzes wird in Industriebauten und anderen Sonderbauten die Selbstrettung der dort tätigen Menschen sicher ermöglicht. Die Einsatzkräfte müssen allerdings anschließend zur Brandbekämpfung in diese Bereiche vordringen und sind dabei einer wesentlich größeren Gefährdung ausgesetzt (s. vorhergier Punkt

Wissenschaftlich begleitet, sollen im Rahmen des Projektes zwei Fahrzeugtypen erprobt werden:


Weniger ist manchmal mehr

Das Mittlere Löschfahrzeug (MLF)

Mittleres Löschfahrzeug
Mittleres Löschfahrzeug

Ein Fahrzeug, welches ein gesundes Mittelmaß zwischen dem kleinsten, genormten Löschfahrzeug (TSF) und seinem größten Pendant (HLF 20) erreicht, ist das MLF (vormals StLF 10/6).

Hiervon sollen für die Erprobung drei Fahrzeuge beschafft werden. Das Fahrzeug entspricht genau den Anforderungen, die auf ein neu einzusetzendes Erstangriffsfahrzeug zutreffen:

  • moderne und motivierende Technik in der Fläche, die bezahlbar bleibt Technik-Schulung auf das notwendige Maß reduziert
  • in der Aus- und Fortbildung kann praxisnäher (mit einer Staffel) geschult werden
  • bei 80 % der Einsätze (Kleinbrände/Ölspurbeseitigung/Türöffnungen/Unwettereinsätze) eine eigenständige Abarbeitung mit der Einheit möglich
  • so viel Technik wie nötig; ABER: so wenig Technik wie möglich
  • Technik ermöglicht eine sicher durchführbare Menschenrettung im Innenangriff durch sechs Einsatzkräfte
  • angemessene Technik kann besser ausgebildet werden und führt zu einem gezielteren Einsatz
  • Akzeptanz als Löschfahrzeug

Datenblatt zum Download


Mit Hochdruck an den Brandherd

Das Vorauslöschfahrzeug mit dem System „COBRA“

Neben dem Erstangriffsfahrzeug (MLF) soll ein „Vorauslöschfahrzeug“ beschafft werden. Hierbei soll die – in Deutschland nicht weit verbreitete – Löschschneidtechnik System „COBRA“ in der Fläche erprobt und für die Freiwilligen Feuerwehren in NRW evaluiert werden.

Hiermit wird eine neue taktische Einsatzmöglichkeit geschaffen: Der offensive (Außen-)Angriff. Die Brandbekämpfung erfolgt, ohne dass die Einsatzkräfte zunächst in den eigentlichen Brandraum eindringen müssen. Das System schneidet mit hohem Druck (Wasser mit einem Eisenabrasiv vermischt) alle Materialien und ermöglicht so eine Kühlung des Brandraumes aus einem für die Einsatzkräfte sicheren Bereich. Die vorgehenden Einsatzkräfte werden somit nicht durch eine Rauchgasdurchzündung gefährdet.

Anschließend erfolgt der sichere Innenangriff für das endgültige Ablöschen des Brandes. Einsatzbeispiele sind Industriebrände, Brände in Niedrigenergiehäusern, Keller-, Dachstuhl- sowie Wohnungsbrände, aber auch Silobrände, Brände in Dehnungsfugen und sonstigen schwer erreichbaren Brandstellen.

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